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herzlich willkommen auf meinem livejournal!


ich bin aktuell dabei, alle meine alten geschichten, die an anderen orten im internet (lies: vor allem auf der website der hölle) existieren, in dieses journal zu übertragen.


sofern mir dabei tippfehler und kleinere ungereimtheiten auffallen, korrigiere ich diese sofort. langfristig plane ich, alles noch etwas gründlicher zu überarbeiten, da ich meine geschichten gern (für mich) als buch drucken lassen möchte. bis dahin finden sich hier möglicherweise schreibfehler oder seltsame formulierungen, immerhin sind einige dieser geschichten mittlerweile knapp acht jahre alt.


neue geschichten bekommen content notes, so gut ich kann.


viel spaß, falls sich jemals irgendwer hierhin verläuft und gerne in meiner schreiberischen vergangenheit lesen mag. oder viel spaß an mich selbst, falls ich in noch mal sieben jahren wieder hierüber stolpere.

mostly alright

we dream of falling in love
with the smell of
spring and fresh-cut grass
birds chirp

i fell in love
with summer and petrichor and
her voice

we dream of leaving
this place
and the worst parts of the past
behind

i left
the house and walked
for a long time and
i smiled

birds chirp, the air smells like rain
and she takes my hand
in hers and
everything feels mostly alright

to dream

i wish
i was
taking my first step on an alien planet
and looking at the sky that
i imagine
to be so different and yet
the same

i hope
there will always be
time and space
to dream
about
time and space

i fear
i might lose
it/someone/myself
to all that has happened
is and will be happening
maybe; a necessary part to life
i wonder

du fragst dich, ob

Und du liegst abends im Dunkeln und fragst dich, ob das ist, wie Rose Tyler sich gefühlt hat, dort in Norwegen am Strand, den es in deiner Welt nicht gibt oder, besser gesagt noch, der in deiner Welt in Südwales liegt und vielleicht gerade genug Norwegisches an sich hat, um ihn dort zu vermuten, aber nicht besonders den Eindruck erweckt, er wäre ein Ort, an dem es einen letzten Spalt im Universum gäbe, der kurz davor war sich zu schließen.

Und du liegst abends im Dunkeln und fragst dich, ob das ist, wie Rose Tyler sich gefühlt hat, dort in Norwegen am Strand, zu dem sie den Rufen gefolgt war - sie war so sicher, dass es kein Traum war, und natürlich haben Mickey und ihre Eltern ihr vertraut, oder vielleicht haben sie sich nur ebenso sehr gewünscht, dass das Rufen echt war, dass er irgendwie zurückgekommen war, weil sie Rose einfach nicht mehr wiedererkannten.

Und du liegst abends im Dunkeln und fragst dich, ob das ist, wie Rose Tyler sich gefühlt hat, dort in Norwegen am Strand, als er auftauchte, durchsichtig und so weit weg, obwohl er da direkt vor ihr stand, und trotzdem doch wie immer; dieses Lächeln und die Haare, die manchmal in alle Richtungen stehen.

Und du liegst abends im Dunkeln und fragst dich, ob das ist, wie Rose Tyler sich gefühlt hat, dort in Norwegen am Strand, ob dieses seltsame, neue, ungewohnte Gefühl mit irgendetwas vergleichbar ist, ob du nicht nur wieder übertreibst und dramatisch bist, wo es nicht nötig wäre; immerhin hast du nicht gerade die Welt vor einer Armee aus Geistern und der tödlichsten Spezies des Universums gerettet und dabei deinen Lebensinhalt verloren.

Und du liegst abends im Dunkeln und fragst dich, ob das ist, wie Rose Tyler sich gefühlt hat, dort in Norwegen am Strand, in einem Universum, das ihrem eigenen so ähnlich war und doch so anders, ein Universum, in dem sie nie existiert hat, aber in dem ihr Vater noch am Leben war; ein Universum, das sich so vertraut anfühlt, und in dem sie die Gelegenheit hat, ihren Vater besser kennenzulernen, mehr als in den Stunden vor seinem Tod und mehr als dieses eine Mal, als sie versehentlich im London mit den Zeppelinen gelandet ist; aber auch ein Universum, in dem er nie existiert hat, nicht existiert, in dem sie ein Leben führt, das so anders ist als vorher, vor dem lebenden Plastik, vor Captain Jack, vor Satellite 5, vor den Aliens im britischen Regierungsviertel, vor dem Werwolf und vor all den anderen schrecklichen und wundervollen, vor allem das, Dingen, die das Universum so zu bieten hat.

Und du fragst dich, ob das ist, wie Rose Tyler sich gefühlt hat, dort in Norwegen am Strand, in einer Welt, in der alles irgendwie ist wie vorher und irgendwie überhaupt nicht und alles völlig anders, ein bisschen, als ob der Weltuntergang noch nicht zu Ende ist, als ob er noch bevorsteht; aber immerhin, in deiner Welt muss niemand ganze Sonnen verbrennen, um mit jemandem zu sprechen, aber das ist wohl nur für Kommunikation zwischen zwei Universen nötig, und die gibt es ja schließlich so nicht - oder?

(Und du erinnerst dich, dass Rose, irgendwann, nachdem alles vorbei ist, sie ist härter geworden, und doch hat sie immer auf ihn gewartet, du erinnerst dich, dass sie irgendwann seine Hand hält und es ist anders als sie es sich vorgestellt hat, er ist anders, menschlicher, hat nur ein Herz und wenn sie wollen, können gemeinsam alt werden, er ist nicht der, nach dem sie so lange gesucht hat, aber vielleicht ist es okay, wenn alles ein bisschen anders ist, als sie es sich vorgestellt hat.)

Und du fragst dich, ob das ist, wie Rose Tyler sich gefühlt hat, dort in Norwegen, als sie zum ersten Mal an diesem Strand ankam.


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Was dabei herauskommt, wenn ich nachts gegen Mitternacht plötzlich an die Doomsday-Szene am Strand denke und mein Gehirn "social distancing doctor who edition" im Kopf hat. Ein bisschen ist es ein "Wie oft kann ich einen Satz anfangen und ihn anders enden lassen"-Experiment, I guess.

remember

manchmal gucke ich alte texte durch, die ich so in den letzten acht jahren geschrieben habe & manche davon sind schon echt angsty. besonders gedichte. 

ich bin nicht sicher, wie viel sich seitdem geändert hat. aber das ist schon ok so. 


self-care

wenn Zeitreisen möglich wären
würdest du aus der Vergangenheit
in die Gegenwart springen; vorsichtig & leise
(um nicht auf einen Schmetterling zu treten)
und an deine Tür klopfen; vorsichtig & leise
(um dich nicht zu erschrecken)
mit der Bitte, dich zu erinnern,
dass du aus Fehlern gelernt hast und
es okay ist; trotz allem
(nicht) immer alles zu geben
manches (nicht) aufzugeben

himbeeren und vanilleeis

Es hätte eine dieser idealisierten Sommernächte sein können, nach denen du dich in den letzten kühlen Frühlingstagen sehnst und auf die du wehmütig zurückblickst, wenn du nach einem langen Tag auf dem Heimweg bist und es schon dunkel wird, obwohl du dich fühlst, als wärst du vor einer Stunde erst aufgewacht, um dich aus dem Haus zu quälen.

Irgendjemand lacht ein bisschen zu laut und ein bisschen zu übermütig, aber niemand stört sich daran, weil alle gut drauf sind, das Gras kitzelt meine Fußsohlen und jemand hält mir ein Getränk hin und ich nehme es, ohne lang nachzudenken. Mein Kopf schwimmt ein wenig und alles fühlt sich an, als wäre es nicht ganz echt oder zumindest ganz weit weg. Ich bewege meine Zehen im Gras und zeichne Muster in die Feuchtigkeit an der kalten Glasflasche. Irgendjemand singt. Eine andere Stimme sagt meinen Namen und ich drehe den Kopf zur Seite. Fes Augen sind keine zehn Zentimeter von meinem Gesicht entfernt und er lächelt.

Hey du.

Hey.

Ich hätte dich fast übersehen hier unten. 

Ich hebe eine Hand und wickle mir eine seiner langen Haarsträhnen um den Finger. Sie ist grün. 

Du hast deine Haare anders.

Fe zuckt mit den Schultern, so gut das eben geht, wenn jemand seitlich auf einer Wiese liegt und den Kopf auf einer Hand abstützt. Du weißt ja, wie es ist. Und ich nicke; wenn alles zu viel wird, ist Haarfarbe ein bisschen wie heiße Schokolade an Winterabenden. Ann ist nicht da? Mehr Schulterzucken. Ich vergrabe meine Hände in Fes Haaren. Leises Seufzen und Augen die flatternd zufallen. 

Es hätte eine dieser idealisierten Sommernächte sein können, in der alles gut ist oder zumindest alles Schlechte so weit weg, dass niemand mehr daran denkt. Aber die Realität ist, dass das Leben sich nicht so einfach anhalten lässt, auch nicht für zu lautes Lachen und kitzelndes Gras unter Fußsohlen und gestohlene Küsse und Hände, die sich in grünen Haaren vergraben. 

Fes Hände schließen sich um meine Handgelenke und ich löse sie aus seinen Haaren, um mich aufzusetzen. Irgendjemand singt immer noch und ich weiß, dass es Zeit wird, zu gehen. Ich weiß, die anderen werden Spaß haben und für sie wird es vielleicht eine Nacht sein, über die sie noch in ein paar Wochen sprechen, wenn sie sagen Wann haben wir eigentlich zuletzt?, bevor sich das Wir sollten mal wieder  in den Gruppenchats, wie im Sande, verläuft und untergeht zwischen Hat jemand eine Luftpumpe für mein Fahrrad? und Lernverabredungen in der Universitätsbibliothek. 

Irgendwie dreht sich die Welt weiter und heute Nacht dreht sich um mich herum alles ein wenig, als ich aufstehe und Fe eine Hand hinhalte. Lass uns Vanilleeis und Himbeeren kaufen

Letzte Einkäufe des Abends für ein wenig Normalität und vielleicht auch, um hinauszuzögern und zu vermeiden, was ich irgendwo tief in mir drin längst als unvermeidlich erkannt habe. 

Die Luft schmeckt nach Abschied und mir liegt das Ende schwer auf der Zunge; Fe nimmt meine Hand und halb gehe ich, halb lasse ich mich ziehen, bis wir sein Fahrrad erreichen und ich meinen Rucksack in seinem Korb ablege. 

Einkaufen und dann nach Hause?

Heute Nacht schmeckt Abschied nach ihren Küssen und Himbeeren mit Vanilleeis und irgendwo spielt jemand Wonderwall auf einer Gitarre, die schon zu lange nicht mehr gestimmt wurde. 


some nights

Während irgendwo draußen Feuerwerkskörper explodieren - ein kleiner Teil von mir denkt über den Grund nach, schließlich ist es kaum das Ende des Sommers und das Jahr ist noch lang, obwohl die Zeit ja doch viel zu schnell verstreicht und ich manchmal das Gefühl habe, es könnte genauso gut schon wieder das Ende des Jahres sein, wundern würde mich nichts mehr - liege ich auf dem Bett, das in meinem Zimmer im Haus meiner Eltern steht und höre Musik.

Nein, ich verliere mich darin und es könnte mir in diesem Moment kaum besser gehen, obwohl ich in der letzten Zeit so viele Gedanken habe, die mich so anstrengen und die sich so zerstörerisch anfühlen.

Eine Stimme - nein, eigentlich nicht, aber dieses Gefühl zu beschreiben funktioniert am besten, wenn ich sage, dass ich eine Stimme höre; also bleibt es dabei - flüstert. Some nights.

Ich weiß, dass mir mein Gefühl sagt, dass ich schreiben muss und heute gebe ich ihm nach.

Besser: Heute gelingt es mir, dem nachzugeben. Vielleicht ein Gedicht. Ich glaube, heute wäre eine gute Nacht für ein Gedicht.

Ich habe das Bedürfnis, es ist beinahe ein Zwang, all die Gefühle auf Papier festzuhalten. Nicht in irgendeinem Dokument, das hinterher für immer auf meiner Festplatte verschwindet. Nein, ich will das Kugelschreiberklicken und Notizbuchseitenrascheln, die durchgestrichenen Satzteile und Wortfragmente, das schmerzende Handgelenk und die Handschrift, die mit jedem Wort unordentlicher wird, weil ich sonst meinen eigenen rasenden Gedanken nicht mehr folgen kann. (In ein paar Jahren werde ich das hier vielleicht wiederfinden und grinsen, weil ich bei manchen Wörtern Buchstaben vergessen habe oder weil ich die Hälfte einfach nicht mehr lesen kann - weil die schiefen und gekritzelten Buchstaben so gut die Unordnung widerspiegeln, die in meinem Kopf herrscht.)

An manchen Abendenden schreibe ich mich selbst bis zur Gänsehaut und so lange, bis mir die Worte ausgehen und meine Welt endet und es ist so unfassbar schön, diese Enden der Welt zu erreichen.

Diese Ruhe zu finden gehört zu den Dingen, die mir viel zu selten gelingen und das macht es so viel schöner, wenn es dann doch geschieht.

In den Momenten, in denen mein Handgelenk so sehr verkrampft, dass ich nicht länger schreiben kann, singe ich - viel zu laut und viel zu schief - und auch das gehört an diesen Abendenden dazu.

Ich merke wieder, wie sehr ich all das vermisse, wenn ich vom Leben erdrückt werden und alles Andere irgendwie wichtiger ist - und viel zu oft leider auch wichtiger sein muss.

Manchmal - wie seltsam sich das anfühlt - vermisse ich das Schreiben mehr als ich andere Lebewesen vermisse.

Nicht, weil mir manche nicht unglaublich wichtig sind, sondern weil ich manchmal vergesse, mir selbst wichtig zu sein und weil das Schreiben mehr ist als nur Wort auf Papier.

Schreiben ist Ichsein; Kämpfe gegen das Gefühl, mich verloren zu haben, zu gewinnen und mich in mir zu verlieren - auf die gute Art.

Dann ist es auf einmal egal, wie fehl am Platz ich mich in diesem Kopf, in diesem Körper, an diesem Ort, auf dieser Welt oft fühle.

Meine Gedanken, meine Worte gehören hierhin. Gekritzelt auf Papier und begleitet von Musik und Liedtexten, die ich längst auswendig mitsingen kann.

Und dann bin ich auf einmal irgendwie von Bedeutung für mich. Und das ist gut. Alles ist gut.